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Neues aus der Mitte

Von Astana nach Alamty

Neuigkeiten Posted on Mi, September 30, 2009 13:25:33

Hallo Ihr lieben Blogleser,

wir sind bereits seit einigen Tagen in Astana durch ein kleines Motorproblem gestrandet, doch Glück im Unglück können wir morgen endlich Richtung Almaty aufbrechen. Unser Weg wird uns über Karagandi, dem Balkaschsee bis nach Almaty führen. Die Strecke wird ungefähr 1200km lang sein und uns die kommenden Tagen sicherlich herausfordern.

Die Details unserer Reise werden in den nächsten Tagen wie immer folgen, es bleibt also spannend! smiley

bis dahin viele Grüße aus Kasachstan

Eure Motorradnomaden

Pierre & Lars



Die ersten Tage in Kasachstan

Neuigkeiten Posted on Mi, September 30, 2009 12:32:26

Unser Grenzübergang nach
Kasachstan fiel leider wieder auf einen späten Nachmittag, obwohl
wir uns ursprünglich vorgenommen hatten Grenzen vormittags
überqueren zu wollen. Das hätte die Schlafplatzsuche um einiges
vereinfacht. Dennoch verlief alles recht reibungslos an der Grenze,
der übliche Zettelkram und Bürokratie, sowie einige kleine
Missverständnisse. Wir dachten zum Beispiel wir wären fertig mit
allem und wurden unsanft zurückgepfiffen. Nochmal der Zoll, zum
zweiten Mal! Warum auch immer, wir ließen sie gewähren und konnten
dann kurz nach der Dämmerung die Grenze überqueren. Diesmal wollten
wir gleich an der Grenze Geld tauschen und nicht wie in Russland die
ersten hundert Kilometer vergeblich nach einem Geldautomaten suchen.
Lars ging in eine Wechselstube und ich wartete draussen. Das Warten
auf den anderen ist immer wieder interessant, denn lange bleibt man
nie alleine stehen. Ich wurde von Artur angesprochen, da er sich für
unsere Motorräder interessierte. Er ist der Chef eines Yamaha
Centers in Atyrau. Wenn wir also irgendwelche Probleme haben, meinte
er, können wir gerne vorbeischauen. Er wäre den nächsten Abend
wieder in der Stadt, da er in die entgegengesetzte Richtung nach
Russland fuhr. Wir freuten uns wie Bolle. Im Moment war noch alles
soweit in Ordnung mit den Motorrädern, aber es ist schön zu wissen
wo man hinfahren kann. Wir verabschiedeten uns und düsten in die
kasachische Nacht.

Nun ist es in Kasachstan
wie in jedem neuen Land, hinter der Grenze ist NICHTS. Und durchs
nichts im Dunkeln zu fahren ist nicht lustig. Nach ca. 100km in der
Dunkelheit und unzähligen Schlaglöchern entschieden wir uns in
einen Feldweg einzubiegen, der durch einige Hügel recht
sichtgeschützt aussah. Das war vielleicht die einzig richtige aber
auch fatale Entscheidung. Durch den tiefen Sand, kam ich mit dem
Motorrad ins Rutschen und schon lag ich zum ersten Mal richtig im
Sand. Genervt und frustriert bekamen wir die Motorräder noch ein
paar hundert Meter weit und bauen im Dunkeln unser Zelt auf. Lecker
Abendbrot gemacht, das hebt die Stimmung. Am morgen dann wieder die
Ernüchterung. Durch den Sturz war an meiner Maschine ein kleines
Leck am Tank enstanden, genau dort wo die Verkleidungsschrauben
sitzen. Aus dem einfachen Grund, weil die originalen Schrauben durch
neue, längere ersetzt wurden, die sich in den Tank gebohrt hatten.
Aber wenn wir was von MacGyver gelernt haben, dann dass man mit
Kaugummi fast alles kitten kann 🙂 Also Kaugummi reingedrückt und
wieder festgeschraubt. Und siehe da es hält! Nachtlager abgebaut und
ab nach Atyrau. Auf kasachischen Straßen zum ersten Mal bei
Tageslicht. Sieht gar nicht mehr so bedrohlich aus wie bei Nacht.

Als wir in Atyrau ankamen
wussten wir natürlich nicht wohin. Aber Artur hatte die Adresse vom
Yamaha Center aufgeschieben. Wir fragten einen Taxifahrer nach dem
anderen. Manch einer wollte ein paar schnelle Dollar an uns verdienen
doch wir lehnten ab. Schließlich fanden wir einen jungen Taxifahrer
der sein englisch ein wenig praktizieren wollte und uns direkt zu der
besagten Adresse vorfuhr. Kaum angekommen kamen gleich die
Mitarbeiter herausgestürzt um sich unaufgefordert an die Arbeit zu
machen. Von ihnen konnte keiner wirklich englisch und wir auch kein
gutes russisch. Nach einem Anruf und ein paar Minuten später kam
Mukuch, ein Freund von Artur um uns zu helfen. Der Tank war innerhalb
kürzester Zeit wieder in Ordnung. Wir nutzten die Gunst der Stunde
um nach einem Hotel zu fragen und einer Möglichkeit unsere Reifen zu
wechseln. Bei letzterem hatten wir keine Lust einen ganzen Tag in der
Pampa zu sitzen um das selbst zu erledigen.

Alles kein Problem, alles
wurde organisiert und wir waren willkommene Gäste. Abends holten uns
Mukuch und Artur mit einem SUV (ein riesiger Toyota Geländewagen) ab
und zeigten uns die Stadt bei Nacht und ihre Lieblingslokale.

Am nächsten Tag
verabredeten wir uns für eine kleine Offroad-Tour außerhalb der
Stadt. Die Jungs auf ihren ATVs und wir mit unseren Mopeds, ohne
Gepäck zum Glück. Wir durften dann auch mal die ATVs ausprobieren.
Hat wirklich Spaß gemacht und ganz nebenbei konnten wir die neuen
Reifen testen. Ein paar kleine Missgeschicke sind natürlich nicht zu
vermeiden gewesen, wie man auf den Fotos sehen kann. Am folgenden Tag
mussten wir leider schon wieder weiter. Wir verließen unser Hotel in
dem es kein Internet gab (Ist wirklich schwierig hier einen
Internetzugang zu finden) und wollten noch vor dem verlassen
wenigstens irgendwo unsere Emails abrufen. Also fuhren wir zu einem
größeren internationalem Hotel und wollten uns in die Lobby setzen
und einen Kaffee trinken. WLAN war verfügbar und der Kaffee stand
bereits auf dem Tisch…und zack. Strom weg! Unglaublich, ein
kompletter Stromausfall im ganzen Hotel und es gab kein
Notstromaggregat. Naja wir genossen erst einmal unseren Kaffee und
kurz darauf kam Mukuch mit einem Freund vorbei um sich zu
verabschieden. Zu viert gingen wir noch einkaufen um unsere
Lebensmittel und Wasserreserven aufzufrischen. Kurz bevor wir das
Hotel verließen, war der Strom natürlich wieder da. Is ja klar! Wie
auch immer, zum späten Nachmittag schafften wir es doch noch Atyrau
zu verlassen und uns von den Jungs zu verabschieden. Artur schaffte
es auch noch uns zum zweiten Mal Lebewohl zu sagen.

Das Land ist groß und der
Weg ist weit. Unsere Maschinen waren in Top Zustand und wir bestens
gerüstet und frohen Mutes uns ins Unbekannte zu wagen. Auch wenn wir
jetzt schon einige Kilometer durch Kasachstan geschafft haben, weiter
geht es beim nächsten Bericht. Bis dahin dürft ihr gespannt
bleiben!

Eure Motorradnomaden

Lars & Pierre